Inflation & Bankenbeben

Der Start in das neue Börsenjahr begann gut. Obwohl sich die Situation an den Märkten nicht verändert hatte, starteten die Börsen in den Januar mit Kursgewinnen. Es schien, als ob sich die Erkenntnis aus unserem letzten Brief in die Realität umsetzt: die Jahre nach einer Krise an der Börse sind oftmals gute Jahre, auch wenn sich an der Ausgangslage zunächst gar nicht viel verändert hat.

Allerdings konnten die Märkte diesen positiven Trend nicht weiter fortsetzen. Zunächst bewegte sich die Börse noch seitwärts. Dann kam es jedoch zur Pleite der amerikanischen Silicon Valley Bank, die als direkte Folge nicht nur die Märkte herunterzog, sondern auch das Ende der Credit Suisse herbeiführte.

Glücklicherweise haben sowohl die Bankenaufsicht, die Notenbanken als auch die Politik schnell und beherzt reagiert, um eine Ausweitung auf den gesamten Banksektor zu verhindern. Dadurch konnten sich auch die Börsen wieder stabilisieren, so dass es per Saldo in den ersten drei Monaten des Jahres immer noch zu Kursgewinnen kam.

Bankenkrise 2.0 oder isolierte Sondersituationen?

Innerhalb weniger Tagen kollabierten in den USA zwei regionale Banken. In der Woche darauf brach die Credit Suisse zusammen und wurde in einer Notoperation durch die UBS gerettet. Sind das die Vorboten einer neuen Bankenkrise oder waren das isolierte Sondersituationen?

Die Entwicklungen der USA in und in der Schweiz hängen natürlich miteinander zusammen. Allerdings liegen die Ursachen für die aktuellen Bankpleiten in individuellen Management-Fehlern, nicht in einer System-Krise.

Das war 2008 anders. Damals investierten alle Banken in ähnliche Märkte und Kredite. Gleichzeitig gab es noch keine Digitalisierung. Viele Transaktionen wurden weder elektronisch abgewickelt noch systematisch digital erfasst.

Als sich damals herausstellte, dass viele der Investitionen und Kredite faul waren, hatten die Banken keinen Überblick, wer mit wem im welchem Umfang Geschäfte abgeschlossen hatte. Dadurch kam es zum Vertrauensverlust der Banken untereinander. Das globale Zahlungssystem war eingefroren, in der Folge kam es zum Zusammenbruch des gesamten Bank-Systems.

„Die Lage ist völlig anders als 2009.“

Mohamed El-Erian, Interview Der Spiegel 14/2023
El-Erian war während der Finanzkrise Chef des größten
Vermögensverwalters der Welt

Die Situation ist heute anders. Der lokale Vertrauensverlust von Kunden bei einigen mittelgroßen US-Banken, sprang in der Schweiz auf die Credit Suisse über, die bereits vorher in erheblichen Problemen steckte. Durch den schnellen Eingriff von Notenbanken und Politik wurde eine Ausbreitung zu einer erneuten Banken-Krise erfolgreich verhindert.

Inflation = Rezession?

Die Situation bei den Banken hat zu einem Durchatmen beim Zinsanstieg geführt. Allerdings bleibt an der Börse die spannendste Frage, ob die steigenden Zinsen und die Inflation die Konjunktur nicht quasi automatisch in eine Rezession führen werden. Die gängigste These ist, dass Unternehmen und Verbraucher ab einem gewissen Zins- und Preisniveau ihr Kaufverhalten ändern. Dies führt dann zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums – aber kommt es dann gleich zu einer Rezession?

Der Zinsanstieg des letzten Jahres kann nicht völlig spurlos an den Börsen und an den Unternehmen vorbeigehen. Die Auswirkungen sind bereits zu spüren – allerdings weniger dramatisch als befürchtet.

Die USA sollten nach Meinung vieler Ökonomen bereits seit Mitte des letzten Jahres in einer Rezession stecken – die US-Wirtschaft ist aber bis heute stetig weiter gewachsen. Auch viele andere Konjunktur-Indikatoren deuten aktuell auf weiteres Wachstum hin. Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor extrem robust.

Last but not least zeigen sich auch bei den Inflationsraten erste Entspannungszeichen. Laut den jüngsten Daten sinkt die Inflationsrate in der EU bereits wieder.

Die EZB erwartet, dass sich diese jüngste Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Auch wenn wir das Notenbank-Ziel von einer 2-Prozent-Inflation auf absehbare Zeit nicht erreichen werden, dürfte sich die Situation in den kommenden Monaten doch weiter entspannen.

Wie bereits gesagt – die Art und die Geschwindigkeit des Zinsanstiegs, wie wir in gesehen haben, wird nicht völlig ohne Folgen bleiben. Aber es sieht so aus, dass die Volkswirtschaften bislang recht gut damit umgehen können. Und auch die allermeisten Unternehmen schaffen es bislang sehr gut, mit den Auswirkungen umzugehen. Das bereitet den Boden für eine weitere positive Entwicklung an den Märkten.

Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam

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