Warum kommt die Inflation zurück?

Inflation schien besiegt. Eigentlich war die Wirtschaft bis vor Kurzem deflationsgefährdet. Die Notenbanken haben so gut wie alles ausprobiert, um das Problem zu beseitigen. Es sah so aus, als ob Inflation und Zinsen dauerhaft verschwunden wären. Doch jetzt warnen Ökonomen vor einem Wiederaufflammen.

Was bedeutet Inflation eigentlich?

Inflation bedeutet, dass die Preise steigen. Das Geld ist quasi weniger wert, denn für den gleichen nominalen Betrag kann man weniger kaufen als ein Jahr zuvor. Inflation ist aber nicht immer schlecht. Man kann drei Szenarien unterscheiden:

  1. Gute Inflation. Ist die Wirtschaft gesund, sind Preisanstiege gewünscht. Sie ermöglichen Gewinne und bringen Unternehmen dazu, zu investieren. Die Löhne steigen, was die Nachfrage unterstützt. Eine Teuerung von ca. 2% gilt als optimal.
  1. Etwas zu hohe Inflation. Manchmal zieht die Teuerung stärker als gewünscht an. Zum Beispiel, wenn die Wirtschaft boomt. Die Notenbanken steuern dann gegen, indem sie Zinsen erhöhen oder Liquidität aus dem Markt ziehen.
  1. Gefährliche Inflation. Die Geldentwertung ist zu hoch und vor allem zu hartnäckig. Sie geht also nicht wieder weg und reduziert sich auch nicht.

Die dritte Variante war zuletzt in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu sehen. Die Notenbanken reagierten zu spät. Die Zinsen mussten drastisch erhöht werden, die Arbeitslosigkeit stieg. In der Folge wurden strukturelle Reformen nötig, um die damaligen Preisspiralen zu erschweren.

Warum soll die Inflation jetzt ein Comeback feiern?

In den letzten Wochen haben viele Ökonomen eine erstaunliche Kehrtwende vollzogen. Jetzt warnen die Experten vor den Risiken von Preissteigerungen – ein Comeback der Inflation.

 Es sind mehrere Faktoren, die für dieses Szenario sprechen. Die Konjunktur erholt sich weltweit synchron von den Folgen der Corona-Pandemie. Lieferengpässe führen zu Preissteigerungen. Die Bevölkerung ist im Lockdown zum „Zwangssparen“ gezwungen. Wenn die Sperren gelockert werden, könnten große Beträge in den Konsum fließen, die in der Pandemie angespart wurden.

Was bedeutet das für uns?

Zunächst einmal nichts. Denn viele Effekte sind temporär. Produktionskapazitäten werden angepasst, und auch die Konsumnachfrage wird abebben. Die Konjunkturerholung soll laut OECD-Aussagen ebenfalls keine Gefahr darstellen.

Die Furcht vor Inflation ist momentan eher eine Furcht vor steigenden Zinsen. Dazu braucht es auch gar nicht viel Inflation. Ein (deutlicher) Zinsanstieg wäre tatsächlich ein größeres Problem als ein vorübergehender Anstieg der Inflation.

Wieso ist das Zinsniveau so wichtig?

Bei höheren Zinsen rückt die explodierte globale Verschuldung wieder in den Fokus. Verschwindet das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Schuldner, kann es zu einer erneuten globalen Rezession kommen, möglicherwiese zu einer Staatsschulden-Krise 2.0.

Aktien profitieren grundsätzlich von einem inflationären Umfeld, da bei steigenden Preisen sowohl Umsatz als auch Gewinn zulegen. Der Wert des Unternehmens steigt, damit auch der Aktienkurs. Anleihen werden unattraktiver, das Geld wird zunehmend in Aktien umgeschichtet, was für weitere Nachfrage sorgt.

Durch die Kurssteigerungen der letzten Jahre am Aktienmarkt sind die Bewertungen vieler Unternehmen auf hohen Niveaus. Dies ist durch die Bewertungsmodelle der Analysten in einem Nullzins-Umfeld auch gerechtfertigt. Denn dann sind die zukünftigen Gewinne genauso wertvoll wie die heutigen Erträge.

Mit jedem Zinsanstieg müssen diese Modelle aber angepasst werden. Denn dann sind zukünftige Gewinne weniger wert. Irgendwann kann man dann auch die hohen Bewertungen nicht mehr rechtfertigen.

Daher haben bei den ersten Inflations-Diskussionen auch die Tech-Aktien am deutlichsten verloren, denn diese Titel haben die größten Kurssprünge hinter sich.

Allerdings gibt es auch Unternehmen, die von einem solchen Umfeld profitieren. Jeder Investor ist also gut beraten, die Risiken in seinem Depot breit zu streuen – auch wenn heute viele Unternehmen eine noch so tolle Wachstums-Story versprechen.