Vom Wendepunkt zum Rekordhoch
Das zweite Quartal 2026 war an den Börsen ein Auf und Ab. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ging weiter, die wichtige Öl-Route durch die Straße von Hormus war zeitweise komplett gesperrt. Gerade Europa bekam die Folgen über hohe Energiepreise und eine schwächere Konjunktur zu spüren. Trotzdem erreichten viele Aktienmärkte am Ende des Quartals neue Höchststände.
Nach einem schwachen Jahresauftakt ging es ab April deutlich bergauf – vor allem, weil die Unternehmen sehr gute Zahlen vorlegten. Der Iran-Konflikt blieb im Hintergrund präsent: Immer wieder gab es Waffenruhen, die kurz darauf wieder brachen. Erst kurz vor Ende des Quartals deutete sich eine dauerhaftere Lösung an.
Ein Krieg mit Pausen
Am 8. April einigten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe. Sie hielt aber nicht lange: Der Iran griff weiter Ziele in den Golfstaaten an, und Mitte April eskalierte die Lage erneut, als die US-Marine ein iranisches Frachtschiff nahe der Straße von Hormus stoppte und unter ihre Kontrolle brachte.
Die wirtschaftlichen Folgen blieben nicht aus – vor allem in Europa. In Deutschland fiel die Unternehmensstimmung Ende April auf den tiefsten Stand seit der Corona-Krise, die Wachstumsprognose für 2026 wurde von 1,0 auf 0,5 Prozent gekappt. Erschwerend kam hinzu, dass die USA ihre Einfuhrzölle auf deutsche und europäische Waren zum 1. Juni auf 25 Prozent anhoben. Auch im Mai und Juni gab es immer wieder neue Angriffe und kurze Ölpreis-Sprünge.
Zwei Notenbanken, zwei Wege
Im Mai übernahm Kevin Warsh den Chefposten der US-Notenbank von Jerome Powell. Präsident Trump hatte sich rasche Zinssenkungen erhofft. Bei seiner ersten Entscheidung am 17. Juni überraschte Warsh die Märkte aber mit einem strengeren Kurs: Die Fed ließ die Zinsen unverändert und deutete sogar eine mögliche Erhöhung im Dezember an.
Die Europäische Zentralbank ging schon einen Schritt weiter: Am 11. Juni erhöhte sie ihre Leitzinsen erstmals seit Herbst 2023 wieder. Grund ist auch hier die Inflation, die im Euroraum durch die hohen Energiepreise auf 3,2 Prozent gestiegen war – deutlich über dem Ziel von 2 Prozent, und das bei gleichzeitig schwächerem Wachstum.
In den USA stiegen die Preise aus ähnlichen Gründen im Mai erstmals seit drei Jahren wieder um mehr als 4 Prozent. Der Dollar wurde nach der Fed-Entscheidung stärker, der Goldpreis fiel dagegen auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr, da Gold an Attraktivität verliert, wenn Zinsen steigen und es somit alternative Anlagemöglichkeiten gibt.
Mittendrin fand der größte Börsengang der Geschichte statt. Am 12. Juni ging SpaceX an die Börse – zu einem Unternehmenswert von rund 1,77 Billionen US-Dollar, mehr als je ein Unternehmen zuvor bei seinem Börsenstart wert war . Und das für ein Unternehmen, was im Jahr 2025 einen Nettoverlust von satten 4,9 Milliarden US Dollar verbucht hat.
Der erste Handelstag verlief turbulent: Die Aktie sprang zeitweise um mehr als 30 Prozent nach oben. Wirtschaftlich trägt vor allem das bereits profitable Satelliten-Internet Starlink das Unternehmen, während der neue KI-Bereich hohe Verluste macht. In den Tagen danach kam es zu einer deutlichen Korrektur: Die Aktie verlor zeitweise wieder rund 30 Prozent; ein gutes Beispiel dafür, dass bei gefragten KI- und Raumfahrt-Aktien auch mit kräftigen Schwankungen zu rechnen ist.
Frieden in SIcht?
Kurz vor Ende des Quartals kam Bewegung in die Iran-Frage: Am 15. Juni kündigten die USA und der Iran eine erste Einigung zur Wiederöffnung der Straße von Hormus an, am 18. Juni unterschrieben beide Seiten eine Erklärung mit einer 60-tägigen Frist für Verhandlungen über ein dauerhaftes Kriegsende. Die Ölpreise gaben daraufhin nach, die Börsen reagierten erleichtert. Ganz ausgestanden ist der Konflikt damit aber nicht.
Wie geht es weiter?
Der SpaceX-Börsengang war auch ein Vorbote für zwei weitere bekannte Namen: OpenAI mit Ihrem Tool ChatGPT und Anthropic – ebenfalls KI-Entwickler und direkter Konkurrent von OpenAI – haben im Juni ebenfalls erste Schritte für einen eigenen Börsengang unternommen. Anthropic mit einer Bewertung von rund 965 Milliarden US-Dollar gilt als Favorit für den ersten Börsengang. OpenAI könnte 2027 folgen.
Wir blicken zuversichtlich auf das dritte Quartal. Die Unternehmensgewinne stimmen positiv, der KI-Boom hält an, und im Nahen Osten zeichnet sich zumindest eine Annäherung ab. In Europa laufen zudem die Investitionsprogramme in Verteidigung und Infrastruktur weiter und sollten der Konjunktur Rückenwind geben. Im Blick behalten wir die neuen US-Zölle auf Medikamente, mögliche weitere EZB-Zinsschritte, die US-Wahlen im Herbst sowie die Entwicklung der Einigung mit dem Iran.
Die vergangenen drei Monate haben wieder gezeigt: Auch mitten in einer Krise kann die Börse steigen, wenn die Unternehmen gute Zahlen liefern. Genau deshalb bleibt unser Grundsatz unverändert: investiert bleiben, breit streuen und ruhig auf Veränderungen reagieren.
Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam
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