Ein gutes Aktienjahr – trotz Donald Trump

Bislang haben die 20er Jahre den Kapitalanlegern gute Zeiten beschert. Trotz einer globalen Pandemie, mehreren Kriegsausbrüchen, der Rückkehr der Inflation und vielen gesellschaftspolitischen und geostrategischen Herausforderungen konnten die Börsen deutlich zulegen.

Die Aktienmärkte profitierten davon, dass die Unternehmen trotz der diversen Herausforderungen die Gewinne kräftig steigern konnten. Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz bietet die Chance, ein völlig neues Zeitalter zu schaffen – an den Börsen und auch für das Leben der Menschheit.

Der Goldpreis erlebte ein fulminantes Comeback, seitdem viele Notenbanken ihre Bestände nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges stetig ausbauen. Und selbst Anleihen konnten in diesem Jahrzehnt per Saldo zulegen, seit die Inflation sich wieder beruhigt hat und die Zinsen sinken.

Allerdings verlief das Börsenjahr unter der Oberfläche nicht einheitlich positiv. Die USA – viele Jahre das Zugpferd der globalen Börsen – schnitten in diesem Jahr deutlich schwächer ab als in den Jahren zuvor gewohnt. Insbesondere zum Jahresende hin zeigten sich Investoren besorgt, ob es im Technologie-Bereich möglicherweise zu Übertreibungen gekommen ist.

Für Anleger aus Europa kam noch erschwerend hinzu, dass sich der Dollar aufgrund der Zoll- und Außenpolitik von Präsident Trump deutlich abgeschwächt hat – dies verschlechterte die Bilanz von US-Anlagen aus Sicht eines Euro-Anlegers zusätzlich. Die amerikanischen Börsenindizes haben durch diesen Effekt für den Euro-Anleger das Jahr 2025 sogar mit einem Verlust abgeschlossen.

Wir hatten jedoch den Anteil an US-Titeln bereits Anfang des vergangenen Jahres reduziert, so dass sich dieser Effekt nur vergleichsweise gering in den Depots bemerkbar machte.

Was erwartet uns 2026?

Wer sich regelmäßig durch die Nachrichten auf dem Laufenden hält, sieht sich einer Vielzahl von Störfaktoren ausgesetzt. Der Ukraine-Krieg dauert an, die Politik von Donald Trump bleibt erratisch, grundsätzlich werden die geopolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen immer größer.

Die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Maduro durch die USA ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig einzuordnen. Grundsätzlich ist das Vorgehen der USA auf mehreren Ebenen äußerst problematisch, und die Auswirkungen sowohl für Venezuela als auch für den Rest der Welt sind noch nicht abzuschätzen.

Die USA haben mit ihrem Vorgehen endgültig das Recht des Stärkeren in der internationalen Politik durchgesetzt. Inwieweit dies andere Länder dazu veranlassen wird, ein ähnliches Vorgehen an den Tag zu legen, bleibt offen. Insbesondere China wird sich genau überlegen, ob die eigene Strategie in Bezug auf die Besitzansprüche von Taiwan geändert werden muss.

Die unmittelbaren Auswirkungen in Venezuela auf die Märkte ist zunächst begrenzt. Die Aktienkurse haben kaum reagiert – lediglich die großen US-Ölkonzerne profitierten, da die USA laut Trump nun schnellstmöglich das angeblich „gestohlene“ Öl in Venezuela fördern wollen.

Venezuela ist das Land mit den weltweit größten Ölreserven. Demnach könnte man sagen, dass die USA mit dem jüngsten Vorgehen einem altbekannten Muster folgen und immer dort direkt militärisch intervenieren, wo viel Öl liegt.

Der Ölpreis hat mit Kursrückgängen auf die Festnahme Maduros reagiert. Die Märkte setzen darauf, dass die USA die Ölförderung in Venezuela nicht nur ausbauen, sondern auch die Belieferung von China unter Marktpreisen stoppen werden.

Dann würde das globale Öl-Angebot deutlich zunehmen und den Preis entsprechend drücken. Aber auch hier muss man aufgrund der Aktualität der Ereignisse zunächst abwarten, wie die tatsächliche Entwicklung sein wird.

Was ist sonst noch relevant?

Man muss – in Bezug auf die Börse – auch immer Punkte in Betracht ziehen, die nicht jeden Tag in den News thematisiert werden. Dabei ist es insbesondere hilfreich, den Blick über den „deutschen Horizont“ hinauszusetzen. Die Inflation und damit auch die Zinsen verharren auf niedrigem Niveau. Die Unternehmensgewinne wachsen, wobei sich die Situation auf globaler Ebene nach wie vor deutlich positiver als in Deutschland darstellt.

Aber auch in Deutschland bietet sich zumindest die Chance, dass sich etwas zum Besseren wendet. Wird das riesige Ausgabenpaket der Regierung in den kommenden Jahren sinnvoll eingesetzt, kann auch in Deutschland die (wirtschaftliche) Wende gelingen. Der Ausblick ist hierbei aber noch offen.

Somit bleibt die USA allen politischen Verwerfungen zum Trotz der globale Konjunkturmotor. Weder die US-Zollpolitik noch die sonstigen innen- und außenpolitischen Eskapaden von Donald Trump konnten der dortigen Wirtschaft bislang schaden. So hat sich das Konjunkturwachstum in der zweiten Jahreshälfte in den USA sogar noch beschleunigt – die Wirtschaftsleistung wächst dort so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr – die USA bleiben daher auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil in jedem Depot.

Künstliche Intelligenz – Segen oder Fluch?

Das dominierende Thema an den Märkten war im vergangenen Jahr die künstliche Intelligenz. Das Thema hat das Potenzial, ganze Wirtschaftsbereiche und letztendlich sogar das Leben der Menschheit zu verändern. Allerdings steht diese Technologie erst in den Kinderschuhen.

Man kann heute aber weder sagen, wie weit KI zukünftig für die Menschen nutzbar wird, noch kann man beurteilen, welche der bereits existierenden KI-Lösungen sich dauerhaft durchsetzen werden. Das Potenzial für diesen Markt scheint aber riesig zu sein.

Insbesondere Unternehmen aus den USA wollen sich dieses zu Nutze machen und investieren gigantische Summen, um sich möglichst große Marktanteile sichern zu können. So investierten nur die größten fünf Technologie-Unternehmen allein im vergangenen Jahr 500 Milliarden Dollar in diesem Bereich.

Die EU hat im vergangenen Jahr angekündigt, in den nächsten paar Jahren 20 Milliarden in dem Bereich zu investieren. Damit droht der EU auch in diesem relevanten Bereich, den globalen Anschluss – und damit Relevanz – zu verlieren.

Wie bedeutet das für die Märkte?

Die großen US-Technologiekonzerne dominieren den KI-Markt bislang. Durch die extrem hohen Investitionen dürften die Konzerne ihre Position auch weiter festigen können, allerdings ist nicht klar, welche Anwendungen – und damit welche Unternehmen – zu den Gewinnern in dem Bereich gehören werden.

Die große Frage in diesem Jahr wird aber sein, ob diese gewaltigen Investitionen auch in absehbarer Zeit entsprechende Einnahmen generieren. Denn erst in diesem Moment wird auch ein tatsächliches Geschäftsmodell für die Unternehmen daraus.

Die Investoren werden 2026 genau darauf achten, wie sich die KI-Geschäfte entwickeln. Das Ergebnis wird die Kursentwicklung der entsprechenden Unternehmen maßgeblich beeinflussen.

Auch die US-Außenpolitik wird weiterhin ein wichtiger Einflussfaktor werden – wie wird sich die Situation in Venezuela entwickeln? Kann der Ukraine-Krieg beendet werden? Wie und mit welchen Mitteln werden die USA ihre Ansprüche auf Grönland vorantreiben? Und wie reagiert China auf das Verhalten der USA?

Die Schwankungen an den Märkten könnten durch diese Punkte in diesem Jahr tendenziell stärker ausfallen – die Grundtendenz bleibt positiv, es dürfte aber zu keinem linearen Kursanstieg kommen.

Gerade im Hinblick auf die Eskapaden von Donald Trump sollte man für 2026 folgenden Punkte im Hinterkopf behalten: er schaut immer auf die Börse. Steigende Kurse sind für Trump ein Indikator für den Erfolg seiner Politik. Und nicht zuletzt stehen im Herbst in den USA die „midterm elections“ an – da Trump nach wie vor nur einen hauchdünnen Vorsprung hat, wird er möglicherweise politische Geschenke verteilen, die auch an der Börse gut ankommen könnten.

Im Laufe des Jahres werden wir zumindest auf einige dieser Fragen Antworten erhalten. Die grundsätzliche Perspektive für die Börse bleibt aber zunächst in den kommenden Monaten weiterhin positiv – wir als Ihr Vermögensverwalter bleiben aber wachsam, um bei Veränderungen schnell reagieren zu können.

Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam

Risikohinweis

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