Zölle, Ukraine… War da was?
Die Börse blieb in den letzten Monaten unbeeindruckt von den globalen Entwicklungen. Egal, ob Donald Trump neue Zölle verkündete oder sie wieder zurücknahm. Egal, ob immer mehr russische Flugzeuge und Drohnen über EU-Gebiet gesichtet wurden – die Märkte kannten im letzten Quartal nur einen Weg: aufwärts.
Der einzige Wermutstropfen ist der schwache US-Dollar. Die Welt ist offenbar doch nicht völlig unbeeindruckt von den Eskapaden des US-Präsidenten. Die Versuche Trumps, die Notenbank zu beeinflussen und sogar die Unabhängigkeit der Zentralbank aufs Spiel zu setzen, sorgte für einen schwachen Dollar.
Durch die hohe Börsen-Gewichtung der US-Unternehmen führte diese Entwicklung dazu, dass der globale Aktienmarkt (MSCI World) seit Jahresanfang mit +1,3% nur leicht zulegen konnte. Kursgewinne bei US-Aktien wurden für europäische Anleger zum Großteil durch den schwachen Dollar ausradiert.
USA – dabei sein oder nicht?
Der US-Aktienmarkt war jahrelang das globale Börsen-Zugpferd. Immer mehr Investoren fragen sich, wie lange dies so weitergehen kann. Ein wichtiger Punkt für die Beantwortung dieser Frage ist, wer eigentlich die „Trump-Zölle“ bezahlt.
Als Trump der Welt auf der mittlerweile berühmten Tafel bei der Pressekonferenz im Garten des Weißen Hauses die ersten Strafzölle verkündete, war sich die (Anleger-) Welt einig: die Zölle dürften für einen massiven Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums sorgen. Die Zeche würden am Ende die US-Konsumente zahlen, da die Unternehmen die Kosten für die Zölle auf die Preise aufschlagen würden. Besonders betroffen wären die ärmeren US-Verbraucher – also die Kernwählerschaft von Donald Trump.
Aber ist das eingetreten? Seit sechs Monaten gibt es die Strafzölle. Bislang hat weder die globale Konjunkturdynamik nachgelassen, noch sind die Preise in den USA signifikant gestiegen. Die Preissteigerungen in den USA liegen derzeit nur leicht über dem 2%-Ziel der Notenbanken – trotz der Zölle.
Momentan scheint es im Bereich des Möglichen zu sein, dass sich die negativen Effekte durch die Zölle sich mehr oder weniger gleichmäßig über alle Unternehmen verteilen, die in der Entwicklung, in der Produktion und im Verkauf der Güter und Dienstleistungen involviert sind.
Somit kommt es – wenn es so weitergehen sollte – weder zu einer Rezession noch zu einem Inflationsschock in den USA. Das erklärt auch, warum die Börse momentan so unbeeindruckt von den Plänen des US-Präsidenten ist. Allerdings haben viele Unternehmen die Lager gefüllt, bevor die Zölle in Kraft traten. Wenn diese zu den neuen Preisen aufgefüllt werden müssen, kann es natürlich doch zu Preissteigerungen kommen.
Zu früh für ein Urteil
Natürlich ist es noch zu früh, über die Auswirkungen der Zölle abschließend zu urteilen. Einige Unternehmen warten nach wie vor ab und überlegen, wie stark die Preise für ihre Güter und Dienstleistungen angehoben werden müssen. Das Trump-System funktioniert momentan, weil sich der Rest der Welt dem Recht des (vermeintlich) Stärkeren beugt und nur sehr verhalten mit Gegenmaßnahmen reagiert.
Ob dieses harte Vorgehen gegenüber Freund und Feind dauerhaft funktioniert, ist fraglich – irgendwann dürfte für jede Wirtschaftsregion eine Schmerzgrenze erreicht werden, die nicht überschritten werden kann.
Skepsis zeigt sich an anderen Orten
In einigen Bereichen des Kapitalmarktes zeigt sich durchaus Skepsis: der Dollar ist schwach. Investoren ziehen es in Betracht, dass der Dollar seinen Status als globale Leitwährung verlieren könnte.
Viele Anleger schauen zudem auf den Goldpreis. Das Edelmetall eilt von einem zum nächsten Rekordhoch. Der Preis koppelte sich dabei immer mehr vom wichtigsten Faktor für die Preisentwicklung ab. Normalerweise folgt der Goldpreis den langfristigen US-Zinsen; seit fast zwei Jahren gilt dies aber nicht mehr:
Kaufen also immer mehr Anleger Gold aus der Angst vor einem Zusammenbruch der Märkte? Nein. Schaut man auf den Zeitpunkt der Abkoppelung der Preise, fällt auf, dass die Entwicklung kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine beginnt. Damals wurden die ausländischen Vermögenswerte Russlands beschlagnahmt. Auf einem Schlag blühte einigen Ländern, was möglicherweise passieren könnte, wenn sie selbst einmal in einen Konflikt geraten würden.
Daher begannen viele Länder, ihre Währungsreserven umzuschichten: raus aus dem US-Dollar und US-Staatsanleihen. Dafür kaufen die Zentralbanken Gold. Solange dieser Trend anhält, dürfte auch der Goldpreis mindestens stabil bleiben.
Wie sieht es für die Märkte aus?
Auch wenn einige Branchen wir beispielsweise der Automobilsektor durchaus von den Zöllen betroffen ist, bleibt die Umsatz- und Gewinnentwicklung insgesamt robust – von einer Konjunktureintrübung oder gar Rezession ist nichts zu sehen. Die Verbreitung von künstlicher Intelligenz könnte darüber hinaus zu einem wahren Produktivitätsschub führen, der das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren weiter ankurbeln könnte.
Dem gegenüber stehen die potenziellen Risiken der US-Zölle sowie die Folgen der politischen Konflikte auf der Welt.
Die grundsätzliche Perspektive für die Börse bleibt auch in den kommenden Monaten weiterhin positiv – wir als Ihr Vermögensverwalter bleiben aber wachsam, um bei Veränderungen schnell reagieren zu können.
Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam
Risikohinweis
Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.





