Wendepunkte
Zu Beginn des Jahres fragten sich die Investoren an der Börse, welchen Einfluss künstliche Intelligenz auf die Geschäftsmodelle sämtlicher Unternehmen haben könnten. Dabei wurden Unternehmen abgestraft, die möglicherweise irgendwann zu den Verlierern gehören könnten. Erstaunlicherweise verloren aber auch die Unternehmen, die genau diese KI-Modelle und deren Infrastruktur anbieten – weil die Erwartungen, wie viel Geld man damit verdienen kann, vielleicht ebenfalls übertrieben sind.
Das in der Folge mehr oder weniger alle Unternehmen zu zukünftigen Verlierern erklärt werden, ist ein Symptom einer Unsicherheit bei den Anlegern. Noch kann niemand sagen, wie tiefgreifend die Veränderungen durch die neuen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz sein werden.
In den letzten Wochen traten diese Überlegungen aber in den Hintergrund, als die USA gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen haben. In dem Moment, in dem klar wurde, dass der Iran nicht innerhalb weniger Tage unterliegen würde und als die Straße von Hormus für den Öl- und Gastransport fast vollständig geschlossen wurde, gaben die Aktienmärkte deutlich nach.
Aber nicht nur die Aktienmärkte fielen im März. Die Anleihenmärkte sorgten sich um steigende Zinsen, denn durch den stark gestiegenen Ölpreis ist die Inflation bereits jetzt schon wieder angestiegen.
Selbst der Goldpreis, der in den vorangegangenen Monaten bei jeder Phase der Unsicherheit deutlich zulegen konnte, gab im letzten Monat aufgrund der drohenden Zinserhöhungen deutlich nach.
Wie geht es im Iran weiter?
Die USA haben den Iran unterschätzt. Trump ging davon aus, dass sich der Iran in kürzester Zeit ergeben würde. Der Iran hat sich aber bislang sehr erfolgreich zur Wehr gesetzt und hat den Druck auf die USA und Israel durch gezielte Angriffe auf Energie-Infrastruktur in den Nachbarländern sowie durch die Sperrung der Straße von Hormus stark erhöht.
Weil Donald Trump es nicht für nötig hielt, seine Kriegsziele zu formulieren, haben sich viele Verbündete geweigert, die USA zu unterstützen. Spanien, Großbritannien, Polen und auch Deutschland haben den USA Lande- und Überflugrechte verweigert. Selbst arabische Verbündete bestellen mittlerweile Waffen in der Ukraine statt bei US-Rüstungskonzernen.
Die USA könnten sich in den kommenden Wochen aus den Kampfhandlungen zurückziehen. Trump dürfte erklären, seine (nie definierten) Kriegsziele erreicht zu haben. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus wird er hingegen Europa und den Golfstaaten überlassen.
Dies könnte ein Wendepunkt in der Präsidentschaft Trumps werden. Selbst die treuesten „MAGA“-Anhänger zweifeln aufgrund der hohen Spritpreise an dessen Politik; in den letzten Tagen gab es bereits erste Massenproteste in den USA. Viele Amerikaner könnten die Zwischenwahlen im Herbst dazu nutzen, dass Donald Trump eine Mehrheit in der Regierung verliert und für den Rest seiner Amtszeit zur „lame duck“ wird.
Was passiert nach dem Ende des Iran-Kriegs?
Noch ist der Krieg nicht vorbei und die Straße von Hormus geschlossen. Man hat aber in den letzten Tagen gesehen, dass jede positive Nachricht deutliche Kursgewinne an den Märkten zur Folge hatte. Deswegen ist es wichtig, trotz aller Unsicherheiten weiter investiert zu bleiben. Verpasst man diese Erholungs-Tage, verliert man auf längere Sicht viel Rendite.
Hätte man in den letzten zwanzig Jahren lediglich die besten fünf Börsentage verpasst, hätte man unter dem Strich fast 30% weniger Rendite erwirtschaftet als bei einer durchgehenden Investition.
Dazu kommt, dass diese extrem positiven Tage oftmals in Phasen passieren, die mitten in einer Krise liegen – wenn die Situation am unsichersten ist, gibt es oft die größten Gewinne.
Die Bewertungen sind attraktiv
Nach dem Ende des Iran-Krieges sollten sich auch die Energiepreise wieder normalisieren und die Unsicherheit der Anleger reduziert sich.
Dann dürften die Investoren sich wieder auf die Unternehmen und den Konjunkturverlauf fokussieren und feststellen, dass die Bewertung vieler Aktien durch den Iran-Krieg und durch die KI-Angst wieder sehr attraktiv geworden ist.
US-Aktien sind beispielsweise 20 Prozent niedriger bewertet als noch im Dezember 2025.
Skepsis zeigt sich an anderen Orten
In einigen Bereichen des Kapitalmarktes zeigt sich durchaus Skepsis: der Dollar ist schwach. Investoren ziehen es in Betracht, dass der Dollar seinen Status als globale Leitwährung verlieren könnte.
Viele Anleger schauen zudem auf den Goldpreis. Das Edelmetall eilt von einem zum nächsten Rekordhoch. Der Preis koppelte sich dabei immer mehr vom wichtigsten Faktor für die Preisentwicklung ab. Normalerweise folgt der Goldpreis den langfristigen US-Zinsen; seit fast zwei Jahren gilt dies aber nicht mehr:
Diese Erkenntnis wird ein weiterer Wendepunkt werden – dieses Mal nicht in der US-Politik, sondern an der Börse.
Bis es so weit ist, bleiben wir weiterhin wachsam, denn die Börse dürfte bis dahin weiterhin stärker schwanken als in den vergangenen Jahren gewohnt.
Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam
Risikohinweis
Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.





