Die Auswirkungen des Iran-Kriegs
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ist in den vergangenen Tagen weiter eskaliert. Diese Auseinandersetzung ist dabei geopolitisch sehr bedeutsam, für die Aktienmärkte bislang aber noch nicht automatisch bestimmend.
Die Marktreaktion folgt dem bekannten Muster geopolitischer Schocks. Die Energiepreise steigen deutlich, die Investoren ziehen sich vorübergehend aus Risiko-Anlagen zurück. Die Marktteilnehmer versuchen, die unmittelbaren und die längerfristigen Auswirkungen der Auseinandersetzung für die Börse einzuschätzen.
Wie sieht die Börse den Konflikt?
Die Börse befürchtet, dass die Preise für Öl und Gas dauerhaft hoch bleiben. Dies würde mittelfristig die Inflation in die Höhe treiben und die Notenbanken zu Zinserhöhungen zwingen. Dies wiederum könnte das globale Wachstum verlangsamen und für sinkende Gewinne bei den Unternehmen sorgen. Ist dies aber ein realistisches Szenario?
Der bedeutendste Faktor für die gestiegenen Energiepreise ist die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Durch diese Passage wird ein Großteil des globalen Öl- und Gashandels geleitet. Sobald dieses Nadelöhr wieder offen ist, fallen die Energiepreise schlagartig und die Börsenkurse legen zu.
Wir gehen davon aus, dass die Blockade nicht dauerhaft sein wird. Die militärische Schlagkraft des Iran sinkt von Tag zu Tag, und dieser Schifffahrtsweg ist für viele Länder so bedeutend, dass eine längere Schließung nicht hingenommen werden wird. Die USA haben mehrfach betont, dass sie notfalls militärisch dafür sorgen werden, dass wieder Schiffe den Weg passieren können.
Darüber hinaus hilft ein Blick auf die Historie – was passierte früher bei Nahost-Konflikten? In 80% aller Fälle waren die Auswirkungen an der Börse nur kurzfristiger Natur. Im ersten Irak-Krieg 1991 erkennt man das typische Muster gut.
Börse und Ölpreis im ersten Irak-Krieg
Zu Beginn des Konfliktes steigt der Ölpreis stark an, die Aktienkurse fallen. Diese Entwicklung hat aber bereits kurze Zeit später wieder ein Ende, und die Bewegung kehrt sich um. Bereits sechs Monate später stehen die Aktienkurse wieder auf dem Niveau vor Ausbruch des Konfliktes, ein Jahr später notiert die Börse bereits wieder höher.
Der dargestellte Kursverlauf im ersten Irak-Krieg ist nur ein Beispiel von mehreren – der Kursverlauf zeigt sich aber in fast allen ähnlichen Krisen in Nahost recht ähnlich.
Was bedeutet das für die jetzige Situation?
Wir gehen nicht davon aus, dass der Ölpreis dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bleiben wird. Die G7-Staaten diskutieren bereits eine Freigabe eines Teils der strategischen Ölreserven, Saudi-Arabien hat schon erste Öllieferungen über das Rote Meer verkauft. Der Iran scheint militärisch zu schwach, um die Straße von Hormus dauerhaft blockieren zu können.
Daher kann man davon ausgehen, dass die Auswirkungen des Krieges auf die Kapitalmärkte nicht von Dauer sein dürften. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat in den letzten Tagen sogar dazu aufgerufen, jeden Kursrückgang aufgrund des Konfliktes zu Käufen zu nutzen. Historisch haben sich die Märkte nach solchen geopolitischen Schocks auf Zwölf-Monats-Sicht meist erholt – allerdings kann der Weg dorthin holprig sein.
Gerade in den kommenden Wochen könnten die Schwankungen aufgrund der Unsicherheit größer sein, Rückschläge sind jederzeit möglich. Allerdings hat die Historie auch gezeigt, dass es in einer vergleichbaren Situation nicht sinnvoll ist, die Depots völlig neu auszurichten, da sich die Situation sehr oft schnell wieder normalisiert hat.
Wir beobachten die Situation selbstverständlich genau und analysieren laufend, ob sich die Lage möglicherweise verändert. Sollte doch Handlungsbedarf entstehen, werden wir unmittelbar reagieren und die Anlagestrategie anpassen.
Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam
Risikohinweis
Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.



