Marktausblick Juni 2022 – Inflation und Krieg

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs führten nicht nur zu Verlusten an den Börsen, sondern auch zu teilweise dramatischen (Preis-)Entwicklungen bei den Energiekosten. Diese Preissteigerungen und die seit der Corona-Pandemie gestörten Lieferketten treiben die Inflationsraten auf der ganzen Welt auf neue Höchststände – ein weiterer Belastungsfaktor für die Märkte.

Diese beiden Faktoren wirkten sich durchaus dramatisch auf die Märkte aus – die Börsen in Europa und den USA haben gerade das schlechteste Halbjahr an der Börse seit 1970 erlebt.

Die Märkte haben Verluste von bis zu 27 Prozent hinnehmen müssen. Viele Qualitätstitel haben sogar deutlich mehr an Wert verloren: VW gab in diesem Jahr um 35 Prozent nach, BASF verloren sogar über 40 Prozent an Wert. In den USA verloren Unternehmen wie Apple 26 Prozent, Walt Disney fielen um 41 Prozent. Viele Tech-Giganten kamen sogar noch deutlicher unter die Räder; die Facebook-Mutter Meta fiel allein im Jahr 2022 um 55 Prozent, der Paypal-Kurs reduzierte sich um fast 60 Prozent. In den letzten Monaten war es unerheblich, wie solide die Bilanz eines Unternehmens ist, wie hoch das Liquiditätspolster, wie gut die Marktposition oder Strategie des Managements auch gewesen ist.

Kein Marktsegment konnte sich dieser Entwicklung widersetzen. Durch die Rückkehr der Inflation ist deutlich geworden, dass die Zinsen kurzfristig deutlich gestiegen sind. Daher haben auch festverzinsliche Wertpapiere, die eigentlich in solchen Marktphasen als Risikopuffer dienen sollen, ebenfalls sehr deutliche Kursverluste hinnehmen müssen.

Krieg und Inflation

Die Belastungsfaktoren hängen dabei alle zusammen. Alles begann im ersten Lockdown der Corona-Krise: durch die zeitlich verschobenen Shutdowns auf der ganzen Welt kam es zu deutlichen Störungen in den Lieferketten einer globalisierten Welt.

Auf einmal gab es manche Produkte schlicht und einfach nicht mehr zu kaufen, weil entweder die Fabrik geschlossen war, die es herstellte, oder es gerade keinen Container gab, um es zu uns ins Regal zu transportieren.

Die Lieferketten funktionieren bis heute nicht wieder. Aber die Nachfrage nach den Produkten blieb weiterhin hoch – die Preise begannen zu steigen. Diese Situation weitete sich aber nach und nach auf immer mehr Produkte aus, so dass der Preisanstieg immer größere Teile der Wirtschaft betraf.

Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine kam ein neuer Aspekt hinzu: jetzt betrafen die Preissteigerungen auf einmal auch die Energie- und Rohstoffpreise. Dies sorgte für den nächsten Inflationsschub, der bis heute anhält.

Neben dem Effekt auf die Preise hat der Ukraine-Krieg aber noch weitreichende Auswirkungen: erstmals seit Jahrzehnten gibt es wieder Angst um die Energieversorgung, speziell in Europa und ganz besonders in Deutschland.

Die (deutsche) Industrie braucht Gas, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Strömt aus den russischen Pipelines kein Gas mehr, müssen möglicherweise ganze Industrieanlagen heruntergefahren werden. Insbesondere die deutschen Politiker suchen mit Hochdruck nach möglichst schnellen Lösungen.

Auch wenn es wahrscheinlich mit handfesten Ergebnissen noch etwas dauern dürfte, ist doch die Entschlossenheit der handelnden Personen deutlich spürbar.

Was bedeutet das für die Börse?

Momentan mangelt es nicht an Belastungsfaktoren für die Märkte. Ein Ende des Ukraine-Kriegs ist nicht absehbar. Die Notenbanken drehen immer schneller an der Zinsschraube, die Inflation steigt weiter. Die Märkte werden auch in den kommenden Wochen wahrscheinlich noch unruhig bleiben.

Es gibt allerdings erste Anzeichen, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Die Kosten für Container-Transporte sinken, der Kupfer- und sogar der Weizenpreis liegen ebenfalls deutlich unter den Höchstständen.

Russland ist immer stärker von den westlichen Sanktionen getroffen. Zwar kaufen immer noch viele Entwicklungsländer und China weiterhin russisches Öl, aber es mangelt in Russland mehr oder weniger an allen Alltagsproduktion, aber auch an strategisch wichtigen Dingen wie Halbleitern oder industriellen Bauteilen.

Die Industrie droht zusammenzubrechen. Daher wird der Druck auf russischer Seite, den Krieg zu beenden, immer weiter steigen.

Ganz kurzfristig bleibt es aber wichtig, die Risiken weiter im Blick zu haben. Daher haben wir bei Ihnen die Liquidität im Depot weiter erhöht – momentan gilt einfach noch „safety first“.

Diese Liquidität wird die Basis bilden, um am Ende des Weges die guten Kaufgelegenheiten nutzen zu können. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich unsere Strategie auszahlt.

In den letzten zwanzig Jahren gab es mehrmals Jahre an den Märkten, die sehr herausfordernd waren: das Platzen der Internet-Blase (2002), die Banken-Krise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers (2008), die Griechenland-Krise (2011), das Zusammentreffen von Brexit und der Trump-Wahl (2018) und der Krieg in der Ukraine.

Die Aktienmärkte haben in den Jahren nach den Krisen immer beeindruckende Wertentwicklungen gezeigt:

Die Bewertungen der Märkte sind schon wieder auf ein niedriges Niveau gesunken – viele schlechte Nachrichten sind also schon in den Kursen berücksichtigt. Viele Qualitäts-Titel kaufen wir dann günstig, wenn sich das Bild an den Märkten wieder aufhellt.

Ihr
DGK & Co. Vermögensverwaltungsteam

Risikohinweis

Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.